Um zu verstehen, warum ein Unternehmen trotz seiner treuen Kunden und vollen Auftragsbücher nicht übergabefähig ist, hilft ein Blick auf eine ganz andere Situation: die Einstellung eines Hochschulabsolventen.
Wenn ein Arbeitgeber gezielt nach Menschen mit einem Studienabschluss sucht, tut er das in den seltensten Fällen, um lediglich die exakte Fachexpertise aus der Abschlussarbeit abzugreifen. Fachwissen kann ohnehin schnell veralten. Nein, der Arbeitgeber sucht etwas anderes: Er sucht den Nachweis der Methodik. Das Diplom, der Bachelor oder der Master sind der Beleg dafür, dass diese Person in der Lage ist, sich selbstständig in Aufgabenstellungen hineinzudenken, sich neues Wissen anzueignen, strukturiert Probleme zu lösen und sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Das Studium beweist nicht zwingend, was die Person weiß, sondern wie sie in der Lage ist zu leisten.
Und genau hier schließt sich der Kreis zur Unternehmensnachfolge.
Ein strategischer Nachfolger sucht kein starres Konstrukt, das nur im Hier und Jetzt funktioniert, weil der Chef jede Entscheidung vorgibt. Er sucht kein Unternehmen, das wie ein auswendig gelerntes Lehrbuch ist. Er sucht ein Unternehmen, das „studiert“ und sich entwickelt hat. Er sucht eine Organisation, die nachweislich in der Lage ist:
- sich proaktiv mit Marktveränderungen auseinanderzusetzen,
- Probleme auf Mitarbeiterebene selbstständig und ohne den „Kopf“ zu lösen,
- und sich kontinuierlich neues Wissen und neue Prozesse anzueignen.
Ein übergabefähiges Unternehmen verkauft dem Nachfolger nicht nur das aktuelle Anlagevermögen. Es liefert den Nachweis, dass das System lern- und anpassungsfähig ist. Fehlt dieser Nachweis, etwa weil die Mitarbeiter unselbstständig sind, die Prozesse im Chaos versinken und die Kultur nicht mitkommt, dann nützt auch das beste Produkt nichts. Das Unternehmen fällt durch die Prüfung. Es ist schlicht nicht übergabefähig.